Muss i denn Tours & Cargo Trips

Wir sind ausgewandert! (auf Probe)

Bereits Anfang April war es soweit: Die erste Probeauswanderung der Muss i denn Tours & Cargo Trips fand statt und führte uns von Gießen nach Bremen. Hier nun auch endlich – mit etwas Verspätung, aber noch immer vergnügt von all den Eindrücken – unser kleiner Reisebericht.

Freitag, 02. April 2014
Eine kleine, aber feine Probeauswanderungsgruppe hat die Bündel geschnürt und ist voller Tatendrang zum Treffpunkt ins Gießener Gießkannenmuseum gekommen. Dort werden von einer überschaubaren, aber nicht minder tatkräftigen Mannschaft von zum Abschied herbeigeeilten Familienangehörigen liebevoll Klappstullen geschmiert und Brotbeutel gepackt, während die Reisegruppe auf die erste Etappe eingestimmt wird. Auch die Objekte, die Ende letzten Jahres bei unserer Agentur für permanente Objektumsiedlung, Cargo Trips, aufgegeben wurden, werden gemeinsam mit uns den Weg nach Bremen nehmen werden und von der Probeauswanderungstruppe verantwortungsvoll betreut.

Als schließlich alle Reiseobjekte gut verstaut, die Vesperpakete gepackt, die Abschiedstränen geflossen und wehmütige Melodien verklungen sind, verschwinden auch die letzten Winketaschentücher am Horizont des Parkhauses und wir machen uns auf die Wanderstrümpfe, um vor dem endgültigen Aufbruch angemessen Abschied zu nehmen von der Stadt, die wir nun hinter uns lassen: Gießen. Abschied ist keine leichte Übung, darf jedoch keinesfalls unterschlagen oder schlampig begangen werden!
So halten wir an einprägsamen Orten, un- wie liebsamen Plätzen der Stadt noch einmal inne, stimmen spontane Abschiedschöre an und hinterlassen persönliche Botschaften des Lebewohls.

Foto: Gerhard Weißler

Foto: Gerhard Weißler

Am Ende dieser großen Gießener Abschiedstour bleibt kaum Zeit zum Durchschnaufen, schon sind wir an der Station Oswaldsgarten und haben den Klappbollerwagen in die Regionalbahn gehievt; ein letzter Gruß an die vorbeisausende Lahn – und wir sind auf und davon.

Nach unterhaltsamer Fahrt beziehen wir in Hannoversch Münden Nachtquartier in einem freundlichen Gasthaus auf der Flussinsel nahe dem Weserstein und senden als letzte Verrichtung des Tages abendliche Grüße per Flaschenpost in die Welt. Wer weiß, wo unsere Botschaften landen werden?! Vielleicht in Karthago, der fernen Heimat des redseligen Herren, der uns hier zwischen Werra und Fulda begegnet und ein kleines Stück begleitet.
Wir jedenfalls landen schließlich müde und hungrig in einer rotwurstigen Speisegaststätte und werden mit leckeren Spezialitäten für die klappstulligen Entbehrungen der Reise belohnt.

Samstag, 03. April 2014
Wenn der Morgen mit solch einem Frühstück beginnt, dann kann er der Rest des Tages nur gut werden! gepriesen sei unser Gastwirt, der reichlich auftischt, so dass wir uns gut gestärkt für die nächste Etappe fühlen. Zusätzlich wappnen wir uns erneut mit Klappstullen für den Tag, diesmal Marke Eigenfabrikation, da fern der Heimat ja einfach niemand ist, der uns mit liebevoller Vesperpaketpackung unterstützen könnte. Hier kommt erstmals Heimweh auf… – doch wir müssen weiter, weiter! Reisemusiker Klaus greift in die Saiten, ein letztes Abschiedslied, den Bollerwagen aus der Fahrradbox gerollt – und schon sind wir wieder unterwegs.

Foto: Gerhard Weißler (Ausschnitt)

Foto: Gerhard Weißler (Ausschnitt)

Zu gerne wären wir auf Wasserwegen weitergezogen, aber bundesweit befindet sich die Binnenschifffahrt (ja, so schreibt man das heutzutage!) noch im Winterschlaf. Also wieder in die Regionalbahn, wo wir den Wagen mit einer stetig anwachsenden Schar von Demonstranten teilen, die auf dem Weg sind, um am Zielort auflaufenden Neonazis das Leben möglichst schwer zu machen. „Weiter so!“ rufen wir dem engagierten Jungvolk zu und lassen uns noch ein paar Frisurentipps mit auf den Weg geben; Schwarz mit Rosa Strähnen kann wirklich jeder tragen – und ganz leicht selber färben!

Nach kurzer Umsteigezeit setzen wir unseren Weg im Regionalbus fort. Mittlerweile haben wir uns in die Gegend ums Steinhuder Meer vorgearbeitet, der Bus spuckt uns mitten im Irgendwo aus, wo bereits ein Pferdewagen auf uns wartet und nun vollends in vergangene Reisezeiten zurückversetzt.
Nach einer Stunde Fahrt mit dem (glücklicherweise überdachten) Zweispänner erreichen wir im mittlerweile einsetzenden Regen das Nordufer des Steinhuder Meeres, von dem nicht viel mehr zu erkennen ist als eine weite, graue Soße. Doch die Verstimmung über das badeunfreundliche Wetter verfliegt schnell, als ein hosenloser Herr – quasi stellvertretend für alle kältebedingten Nichtbader des Tages – vor unseren Augen ungerührt in die graue Soße hineinwatet, dort einige Runden umherwandert und sichtlich wohlgelaunt wieder den Fluten entsteigt. Ebenso erfrischt von diesem ungewöhnlichen Anblick, harren wir im mittlerweile strömenden Regen in einer kleinen, hölzernen Busstation aus, um nach etwa 30 Minuten wieder vom Regionalbus aufgepickt zu werden, der uns zum nächsten Bahnhof trägt. Die dort feilgebotenen Heißgetränke und Pommes lassen die allerletzte Wartezeit des Tages wie im Flug vergehen, ein letztes Mal wird der Bollerwagen in den Zug gewuchtet, und auf geht es nach Bremen, wo in der Kulturkirche St. Stephani bei unserer Ankunft gerade die Ausstellung „Aufbruch in die Utopie“ neueröffnet wird, die auch hier unserer kleinen Reiseagentur als Hafen dient. Mit Bollerwagen, Sing und Sang und kurzem Gruß galoppieren wir so schnell wie die Höflichkeit es nur erlaubt durch zur Kirchenküche, wo unsere bezaubernden Bremer Reiseberaterinnen heiße Suppe und ebensolchen Grog mit nichts als ihrem blanken Leben für uns verteidigt haben. Nun versorgen sie die wohlbehalten angekommenen Reiseobjekte in den Regalen des Reisebüros, während wir den Abend trocknend, löffelnd und plaudernd ausklingen lassen dürfen. Wir haben das Ziel erreicht – doch angekommen sind wir noch nicht ganz.

Sonntag, 04. April 2014
Sonntagmorgen führt uns der erste Weg in den Bürgerpark, um wenigstens im Kleinen das nachzuholen, was die winterverschlafene Binnenschifffahrt (ja, so schreibt man das heutzutage!) uns auf unserem Weg vorenthalten hatte: das Fortbewegen auf dem Wasser, wenn auch hier nur in kleinem Radius. Wir entern zwei Ruderboote und nutzen gleich noch die Gelegenheit zum feierlichen Zurücklassen einiger mitgebrachter Objekte bei abschiedsschweren Klängen – auf dass Bremen uns nach dem bereits schon wieder nahenden Aufbruch nicht ganz vergessen möge!

Foto: Gerhard Weißler (Ausschnitt)

Foto: Gerhard Weißler (Ausschnitt)

Doch bevor es soweit ist, lassen wir uns nach einem ungeplanten, aber sehr notwendigen Boxenstopp im Café vom fabulösen Historiker und Stadtkenner Dr. Diethelm Knauf noch Wissenwertes zum Thema „Fremde in Bremen“ berichten uns auch zeigen. Anfänglich noch durch den durch die Abenteuer der letzten Tage etwas desolaten Zustand der Auswanderergruppe wenig heiter gestimmt, lief Dr. Knauf nach der notwendigen Erstversorgung zu Hochform auf und erfreute uns mit einer informativen wie unterhaltsamen Tour. Das ihm zum Dank vorgetragene Abschiedslied kam von Herzen und mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen!

Und nun ist es bereits wieder soweit: Kaum angekommen, da heißt es für die wackere Probeauswanderungsgruppe schon wieder Abschied nehmen vom schönen Bremen und die Rückreise anzutreten; denn die Probeauswanderung geht programmgemäß am Nachmittag zu Ende. Noch einmal fliegen die Taschentücher durch die Luft, ein letztes Lied – schon sind sie zum Städele hinaus.

Abschied ist ein schweres Schaf, doch schön war es!
Wir sagen Danke an unsere wunderbare Reisegruppe und all die, denen wir auf dem Weg begegnen durften.

Nun heißt es, die nächste Etappe zu planen – das Reisebüro Muss i denn Tours & Cargo Trips steht bereit in der Kulturkirche St. Stephani und wartet auf neue Reiseanmeldungen und Objektverschickungen!

ÖFFNUNGSZEITEN
während des gesamten Ausstellungszeitraums (05.04. – 04.07.2014)

Dienstag und Donnerstag, jeweils 16:00 – 18:00 Uhr

SONDERÖFFNUNGSZEITEN
Alles-neu-macht-der-Mai-Wochenende: 16. Mai 2014, 12:00 – 17:00 Uhr
17. + 18. Mai 2014, jeweils 11:00 – 18:00 Uhr

Last Call: 15. Juni 2014, 11:00 – 18:00 Uhr
Hier besteht die letzte Möglichkeit, Probeauswanderungspakete zu buchen!
Objekte zur permanenten Umsiedlung werden bis Ausstellungsende angenommen.

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